Babywelt Hamburg 2011

veröffentlicht von Kerstin am 4. October 2011

Eingang Babymesse HamburgMorgens am Sonntag, dem letzten der 3 Messetage, kommen wir mit unserer Kleinen in der Hamburger Messehalle an. Entspannt mit nur einem Kind in der Tragehilfe und per Zug angereist sind wir gutgelaunt und neugierig, was sich denn so hinter der berühmten und gut umworbenen “Babymesse” verbirgt. Von der Zeitschrift Eltern begründet, fehlt es natürlich nicht am Marketing. Pendants zur Messe in Hamburg gibt es in diesem Herbst noch in Stuttgart und München.

Besetzte Kinderwagen, Mütter, Väter und Schwangere stehen in Schlangen aufgereiht vor den Kassen. Die Vermutung, daß die Babys wohl nicht den ganzen Messebesuch so ausgeglichen in ihren Vehikeln sitzen werden, drängt sich auf. Viele “schwangere Paare” sind unterwegs, anteilig etwa genauso viel wie Familien mit Kindern.

Als erster Stand präsentiert sich Leoz (http://www.leoz.de). Das junge Unternehmen ging schon gut durch die Presse und bietet farbneutrale und qualitätsorientierte Grundausstattung für´s Baby. In praktischen Paketen angeboten bewahrt es unbedarfte Eltern und Schenkwillige vor der schwierigen Auswahl und Zusammenstellung vermeintlich notwendiger Textilien für das Neugeborene.
Prinzipiell eine schöne Idee, wie wir finden, denn auch wir sind damals ahnungslos durch Regale mit Babykleidung getigert.

Rechts daneben kommt das Tragenetzwerk (http://www.tragenetzwerk.de). “Aufklären, Beraten, Zusammentragen” rund um´s Babytragen hat sich der Verein auf die Fahnen geschrieben. Aber auch über verwandte Themen wie Stillen, Schlafen und Erziehung wird informiert – neudeutsch könnte man dieses Themenkonglomerat vielleicht mit “Attachment Parenting” umschreiben: liebevoller, intuitiv geleiteter Umgang mit dem Kind ohne “Schreien lassen” und ähnliche Techniken. Wir kommen ins Gespräch und bekommen gleich positives Feedback für unsere Kumja Jackenerweiterung. Natürlich passen Kumja und Tragen wie Faust auf´s Auge… Kumja Infokärtchen wechseln den Besitzer. Der Stand zeigt auch eine Auswahl von Tragehilfen, u.a. die coolen Mei Tais von http://www.moseskinder.de (hier ein Beispiel). Diese und eine Reihe von ähnlichen Manufakturen zeigt mal wieder, wie stylish und toll Tragen doch sein kann.

Nun geht es ein paar Gänge entlang Richtung eigentliche Messehalle. Wir sehen schon: Babykleidung, Kinderwagen und Kindersitze gehören anscheinend zu den am besten repräsentierten Warengruppen.

Im Laufe unseres Rundganges merken wir auch: es sind relativ viele junge und noch wenig bekannte Unternehmen auf der Messe. Produktideen entstehen oft aus dem eigenen Elternsein heraus- wir sind also in guter Gesellschaft.

Z.B. haben die Gründer von Bafuni (http://www.Bafuni.de) in ihrer kleinen Wohnung Schwierigkeiten gehabt, einen Wickeltisch unterzubringen. Nun vertreiben sie Wickeltische, die auf Badewanne oder Waschmaschine gesetzt und später sogar noch als Kindermöbel genutzt werden können. Tolle Idee.

http://www.mynamelabel.de bieten individuelle, wasch- und geschirrspülerfeste Namenslabel an. Eine praktische Alternative zum Einnähen und Beschriften, auch als Geschenk ideal.

Bei http://www.zauberlich.de bekommt man ebenfalls individualisierbare Printprodukte in origineller Optik von “zauberhaft bis wunderlich”. Das Foto des eigenen Lieblings wird in Drachen-, Prinzessinnen- und Piratenszenen eingesetzt.

Babybridge1Die Babymed Care Systeme UG & Co KG verkauft für den Messepreis von knapp 60 Euro “Babybridge” (http://www.babybridge.de), im Prinzip eine Art Keilkissen, das die aktive Bauchlage von Babys unter 1 Jahr fördern soll. Der ausführliche persönliche Vortrag am Stand konnte uns nicht wirklich die logischen Zusammenhänge zwischen dem überteuerten Stück Schaumstoff und möglichen Entwicklungsstörungen des Babys plausibel machen (übrigens jetzt ebenso wenig die Homepage). Der abschließende recht penetrante Versuch, uns als Eltern Vorwürfe und ein schlechtes Gewissen zu machen, weil wir möglicherweise unserem Baby dieses Produkt vorenthalten, stellt die Seriosität dieses Unternehmens in unseren Augen weiter in Frage.Babybridge2

Firstbiker2Firstbiker1Mit einem professionell wirkenden Verkaufsteam wartet auch http://www.firstbiker.de auf. Das Produkt, für das mit dem Spruch “Verschenken Sie doch mal Sicherheit” geworben wird: eine Warnweste für Kinder mit Haltegriff im Nacken. Reihen von Klettverschlüssen machen sie passgenau und lassen sie “mitwachsen” (Teilen des Kumja Messebesuchsteams drängten sich angesichts des Designs Assoziationen zu Michael Jackson Showkostümen auf…). Die Kinder werden durch Signalfarbe und Reflektoren nicht nur gut gesehen, sie können beim Laufen oder Fahrradfahren lernen wohl auch gut von der abgestellten Aufsichtsperson aufgefangen werden. Prinzipiell eine pfiffige Idee, den Preis von regulär 30 Euro fanden wir allerdings etwas hochgegriffen.

 

Leggero2Leggero1Den weiten Weg aus der Schweiz in ihren gelungenen Zeltpavillion hat das Team von Leggero gemacht (http://www.leggero.com).Leggero3
Das Traditionsunternehmen bietet u.a. den Fahrradanhänger Vento an. Wir finden ihn in seinem weiß-rot nicht nur sehr schick, er ist nach unserer eingehenden Doppel-Ing.-Inspektion 😉 absolut ausgereift und hochwertig konstruiert und produziert. Einige Pluspunkte: Schnellkupplung, klappbar, stabile Aluprofile, feste Aluwanne, super Sitze inklusive Federung und gut zu bedienendem Gurtsystem. Der Vento ist nach eigenen Angaben des Unternehmens als einziger Anhänger auf dem Markt TÜV-zertifiziert. Der Preis von rund 600 Euro inkl. allem Zubehör ist im Vergleich auf jeden Fall gerechtfertigt. “Vergleich” spielt hier auf den Croozer Kid vor 2 an, den wir uns jüngstens gegönnt haben und der sich in etwa in der gleichen Preisregion bewegt. Der Croozer ist nunmal der gefühlt meistverkaufte Anhänger. Dennoch hat er uns etwas enttäuscht was Verarbeitung und Handhabung betrifft: “Zeltkonstruktion” (Boden und Sitze aus Stoff), zuppelig und ausfransend. Das schwarze Gewebe mag zwar schick aussehen, macht ihn aber schnell zum Schwarzen Loch, das Dinge einfach verschluckt und unauffindbar macht (daß unsere Kleine gerne auch mal rücklings im vorderen Fußraum kniend langsam unter den Sitzen verschwindet, ist allerdings wirklich ein sehr spezielles Problem 😉 ). Der notwendige Wechsel von Anhängerdeichsel zu Kinderwagenrad ließe sich sicher auch vermeiden und konstruktiv anders, z.B. mit Klappmechanismus lösen. Daß dabei auch noch mittelalterliche Stifte mit fingerschnappenden Sicherungsbügeln verwendet werden, lässt sich kaum noch nachvollziehen… Was uns davon abgehalten hat, sofort umzusteigen: leider ist der Vento nicht wirklich ausreichend auf eine häufige Nutzung als Kinderwagen ausgelegt. Das Hilfsrad erscheint etwas schwach und steht vor allem mit der Kupplungsstange ziemlich weit nach vorne raus. Damit in engen Supermärkten zu rangieren dürfte problematisch werden. Hier ist der Croozer um einiges wendiger (obwohl das Hilfsrad auch alles andere als belastbar ist). Natürlich sind beide Modelle vorrangig Anhänger und man darf nicht zu viel von der KiWa-Funktion erwarten, aber für uns ist das eben ein Argument… Nun ist dies fast ein Anhängervergleichstest geworden 😉
Übrigens gibt es für nicht wenig Geld auch ein super Kinderlaufrad von Leggero. Ebenfalls technisch bestens gemacht, mitwachsend und zum Fahrrad umbaubar.

BMWDas fast gleiche Rad sehen wir später auf dem Stand von BMW rund 30% teurer. Ja, richtig gelesen, BMW hat einen Stand auf der Babymesse. Auf dem kleinen Bobbycar-Parcours übt sich, wer später mal ordentlicher BMW-Kunde werden will.

A Propos kuriose Aussteller: einige Immobilienunternehmen zeigen sich ebenfalls auf der Babymesse. Das junge Glück braucht ja vielleicht auch noch ein passendes Haus. Auch Tupperware ist präsent und einige familienfreundliche Pensionen und Hotels ebenso.

BabyrennenKurios finden wir irgendwie auch die auf der Eltern-Bühne veranstalteten “Babyrennen”.

 

KangatrainingDie Trainingssession von FitDankBaby (d.h. Fitness mit in Hüftgurt umgeschnalltem Baby) auf jener Bühne erinnert dann stark an das sich ebenfalls immer weiter etablierende Kangatraining (Baby ist dabei in der “eigenen” Tragehilfe). Beiden Konzepten ist gemeinsam, daß das Kind den Trainingseffekt verstärkt. Die eigene “mitwachsende Hantel” vor Bauch oder Rücken sorgt für einen steten Trainingsfortschritt und bei entsprechender Regelmäßigkeit wohl auch für den erhofften Gewichtsverlust 🙂

 

Die beiden im Eingangsbereich befindlichen und diskret durch Vorhänge abgeschirmten Räumlichkeiten “Wickeloase” und “Stilllounge” finden wir dann wieder etwas seltsam. Auf einer Babymesse hätten wir uns einen etwas selbstverständlicheren und unverkrampfteren Umgang mit diesen beiden “Angelegenheiten” gewünscht (nicht  nur in Form von übergroßen Stillfotos 😉 ). Verhülltes Stillen in abgeschirmten Ecken sollte nun wirklich nicht notwendig sein. Wir haben übrigens wirklich keine einzige stillende Frau gesehen – kein Wunder auch, wenn gleich die Stilllounge nahegelegt wird.
Still LoungeNUK Stillplakat

Unweit der Eltern-Bühne trifft man auf den Stand der My Way Stiftung (http://www.myway.org). Gründer ist ein österreichischer Journalist, Erich Bruckberger, der auch der Autor des präsentierten Buchtripels “Die neuen Eltern” ist. Die Kernmessage wird griffig als “Lebensformel” ausgedrückt und durch Studien untermauert: 9+36=90, was bedeutet: 9 Monate Schwangerschaft und die ersten 36 Lebensmonate prägen das Leben des Menschen bis zu 90 %. Das Modell der “professionellen Elternschaft” wird z.B. vorgestellt, in dem beide Elternteile diese ersten drei Jahre in Teilzeit arbeiten und sich gleichermaßen um das Baby kümmern können… Medienwirksam, leicht utopisch, aber zugleich sehr vernünftig erscheinen uns die Ideen von Myway.org. Ein Besuch der informativen Website lohnt sich, die Bücher sind sicherlich auch lesenswert.

Um die Mittagszeit werden dann doch immer mehr Tragehilfen gezückt. Die Quengelzeit hat begonnen und so hängen vor dem Bauch der Mütter nicht nur die Babys, sondern dort werden auch die mittlerweile eher an Einkaufswagen erinnernden KiWas geschoben. Die Hybridtechnik (Trage mit KiWa) scheint mittlerweile recht bewährt. Am Nachmittag machen wir uns wieder auf den Heimweg, nach etwa 5 Stunden reicht es dann auch erstmal. Messebesuche werden mit der Zeit anstrengend, die Babywelt ist da keine Ausnahme.

Fazit:

Die Hamburger Babywelt ist eine interessante Verbrauchermesse mit allerdings vorrangig “mainstreamigen” Produkten und Besuchern. Große Marken wie Stokke, NUK, Hauck, usw.. waren ebenso vertreten wie kleinere Unternehmen. Regionale Schwerpunkte wurden gelegt (es präsentieren sich z.B. lokale Geburtskliniken, Geschäfte und Vereine). Alternative Themen, z.B. Selbstbestimmte Geburt, Tragen, Stillen,… waren leider eher schwach repräsentiert. Mal sehen, ob wir selber mal als Aussteller dabei sind.

der Storch ist da

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